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Showing posts from October, 2021

Sonntag, 31. Oktober - Der Eisläufer an der Overgroundstation

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Heia. Da schaue ich auf das Datum und merke: Zwei Monate sind schon rum. Gerade die ersten zwei, drei Wochen habe ich fast täglich die Wochenenden gezählt und mir aus Heimweh Sachen vorgestellt wie "Okay, Theo, noch viermal ein neues Shampoo kaufen, dann sieht die Welt schon anders aus." Viermal neues Shampoo kaufen klingt nämlich deutlich angenehmer als achteinhalb Monate. So ist es aber zum Glück nicht mehr. Ich fange an, die Sachen hier richtig genießen zu können.  Montag früh wache ich auf und frage mich, was ich jetzt mit dieser freien Woche, die vor mir liegt, anfangen soll. Ich frage Sam, ein anderer Sportlehrer, ob er mit ins Fitnessstudio gehen will. Ich weiß, das ist nicht unbedingt das spannendste der Welt, und ich bin auch kein wirklicher Fan davon, ins Fitnessstudio, oder wie es leider manchmal eingedeutscht wird, ins "Gym", zu gehen. Aber ich denke, dass es nach einer Woche nur rumliegen und krank sein mal ein ganz guter Start in eine neue, frische Woc...

Sonntag, 24. Oktober - Dicke Tauben vor dem Kunstmuseum

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Die Erkältung macht uns schon zu schaffen. So richtig kommen wir einfach nicht in die Gänge. Weil wir uns Sonntag wirklich gut geschont haben und auch davon überzeugt sind, dass wir uns jetzt auch nicht kaputtschonen müssen, machen wir uns auf den Weg in die Londoner Innenstadt. Damit Basti auch wirklich das Gefühl hat, in England angekommen zu sein, machen wir uns zuerst auf zum Buckingham Palace. Er ist relativ enttäuscht von dem Gebäude, meint, er hätte ihn sich prunkvoller vorgestellt. "Aber den", so Basti "hätte auch Hitler bauen können." Leider merken wir auf Höhe Big Ben, dass das mit der Erkältung doch noch länger dauert als gedacht. Wir sind ziemlich kaputt, fahren wieder zurück und kaufen wieder sämtliche Orangenregale Croydons leer. Auch am Dienstag müssen wir noch daheim bleiben. Ich werde zwar nicht müde "mir geht es schon besser" zu sagen, bin aber trotzdem zu müde und k.o. irgendwas richtiges zu unternehmen. Basti geht es da ähnlich. Abends ...

Sonntag, 17. Oktober - Krank, kaputt und keine Orangenpresse

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Es sind Ferien! Und ich würde sagen: Die habe ich mir verdient. Nach fünf Wochen harter Arbeit jetzt zwei Wochen frei. Aber eins nach dem Anderen. Am Montag nach der Schule hat die Basketballmannschaft der Oberstufe ein Spiel. Wir verlieren mit ungefähr dreißig Punkten und ein Spieler knickt am Ende des Spiels noch übel um und reißt sich alle Bänder, die an so einem Knöchel hängen. Als wir zurück zur Schule fahren, warten Nick und ich mit ihm darauf, dass ihn seine Mutter abholt. Es ist relativ still. Als Nick dann in die Schule muss, um irgendwas zu holen, fängt Jimmy dann an, zu quatschen. Über das Spiel, wie ich es fand, dass er sich schonmal so verletzt habe und so weiter. Das gibt mir irgendwie ein cooles Gefühl. Auch wenn Nick genauso alt ist wie ich, habe ich doch das Gefühl, dass zumindest die Schüler aus der Basketballmannschaft mich für nahbarer und cooler halten. Nicht, dass es mein Ziel ist, bei den Schülern cool zu wirken. Das ist mir eigentlich egal. Am Dienstag motze ich...

Sonntag, 10. Oktober - Müll und Säcke

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Heute ist Wandertag. Ich versuche, die Vorteile zu sehen. Ich muss einen Tag mal weder Hemd noch Anzughose oder Krawatte tragen. Das ist was Gutes. Außerdem: Das Wetter ist schön und ich werde den ganzen Tag draußen rumlaufen können. Auch das ist was Gutes. Als ich in die Schule komme und Müllsäcke, Müllgreifer und zu meinem Entsetzen auch gelbe Warnwesten bereitstehen, läuft mir trotzdem ein Schauer über den Rücken. Die Schüler - alles 9. und 10. Klässler - sitzen relativ lustlos daneben. Zum Glück bin ich nicht als einziger Lehrer eingeteilt. Ich hätte die nicht motivieren können, loszulaufen und Müll in Croydons Straßen und Parks zu sammeln. Ich packe noch schnell das Lunchpaket, das die Schule mir gegeben hat, ein, rüste mich aus mit Müllsack, Handschuhen und Greifarm (die Weste lasse ich ganz bewusst weg; als mich ein Schüler fragt, warum ich keine Weste trage, sage ich relativ unschlagfertig: "ich bin groß genug") und wir machen uns auf den Weg. Ehrlich gesagt: So schli...

Sonntag, 3. Oktober - Vollgetankt

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England ist schon ein süßes Land. Das fällt mir immer wieder auf, besonders aber, wenn ich einige neue englische Vokabeln höre, über die ich mich einfach freue. Diese Woche habe ich mit den 11. Klässlern eine Karikatur beschrieben, in der viele Kinder auf dem Spielplatz sind, alle aber nur auf ihre Handys schauen. Als wir über Spielgeräte auf dem Spielplatz reden - und ja, ich bin mir bewusst, dass das kein wirklich spannendes Thema für Schüler ist, die mir am Montagmorgen sagen, sie wären noch ein bisschen verkatert - erklärt mir ein Schüler das englische Wort für Wippe: "seesaw". Wundervoll, wie ich finde. Und ergibt irgendwie auch Sinn. Weniger Sinn ergibt das Wort für "Fangen spielen": Es heißt nicht etwa "catching" oder "tagging" oder so, nein, es heißt einfach "it". Sollte ich also, warum und wann auch immer, in die Situation kommen, in England mit Freunden Fangen spielen zu wollen, würde ich einfach nur sagen: "Let's pla...